Kommunikation in der Musik

Kommunikation in der Musik
Kommunikation in der Musik

Die Zeiten, in denen die strenge Klavierlehrerin zu einem Lineal griff, um ihren Schülern auf die Hände schlagend die falschen Töne auszutreiben, sind zum Glück längst vergangen. Und doch bleibt die Kommunikation zwischen Musikern eine große Herausforderung. Das Beispiel Lehrer-Schüler-Kommunikation ist zwar speziell, weil es ein durch Hierarchie geprägtes ist, doch diese Art der Kommunikation zieht sich oft durch ein ganzes Musikerleben. Zunächst entwickelt sich der Schüler zum Musikstudenten, der nun mit seinem Professor kommuniziert. Und nach dem Studium erleben Musikstudenten als Orchestermusiker meist erneut eine hierarchische Kommunikation. Vielleicht ist der eine oder andere Orchestermusiker Mitglied in einer Programmkommission, die den neuen Spielplan mit vorbereitet. Der überwiegende Teil der Orchestermusiker hat jedoch keinen Einfluss darauf, welche Werke in einer Spielzeit anstehen. Interpretiert wird das jeweilige Programm dann von einem Dirigenten.

Frust oder Freude?

Nun könnte man denken: Kein Problem, viele Menschen arbeiten unter vergleichbaren Bedingungen. Die große Richtung gibt das Management vor und untere Hierarchieebenen führen aus. Doch die Kommunikation in der Musik ist auch deshalb äußerst sensibel, weil es nicht um Rationales sondern um Emotionen geht. Und diese sind nun einmal sehr persönlich. Wer sich als Student die Seele aus dem Leib spielt und als Kommentar des Professors hört: „Was wolltest du denn da ausdrücken, das habe ich nicht verstanden“, wird persönlich getroffen sein. Wer als Musiker sein Lieblingsstück vom Dirigenten, dem Solisten oder gar den Kollegen zerstört sieht, empfindet dies im Zweifelsfall als persönlichen Angriff. Dies kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass ein Dirigent die Musik völlig anders interpretiert als es der einzelne Musiker empfindet. Oder im Pausengespräch zerfleddert ein Kollege das Stück und schätzt dessen Wert völlig anders ein. Kommunikation findet also auf einer hochsensiblen Ebene statt, doch kaum ein Musiker setzt sich mit der Wirkung seiner Worte auseinander. So ist die Interpretation von Musik sehr subjektiv, doch häufig sind Musiker zu sehr von ihrer Sicht überzeugt und sehen kaum die Plausibilität anderer Sichtweisen. Missverständnisse und gegenseitige Verletzungen, wenn auch nicht unbedingt beabsichtigt, sind also vorprogrammiert.

Nonverbales spielt eine große Rolle

Hinzu kommt, dass Musiker natürlich auch während des Spielens kommunizieren, dann aber nonverbal. Wenn man jedoch schon mit Worten häufig erstaunlich gut aneinander vorbei reden kann, ist die Gefahr die Mimik und Gestik des Gegenübers falsch zu verstehen, fast noch größer. Nicht nur kommunikativ, sondern auch musikalisch leben Musiker dann in völlig verschiedenen Welten. Dies gilt sowohl für Unterrichtssituationen als auch für Kammermusikensembles und Orchester. Aus meiner Sicht als Mediatorin und Musikerin könnte viel Frust und Unlust der Vergangenheit angehören. Es müssten sich Musiker nur mehr mit Kommunikation beschäftigen.